Piccadilly Circus ist einer dieser Orte in London, an denen man unwillkürlich den Kopf hebt. Über den Dächern flimmern riesige Leuchtreklamen, rote Doppeldeckerbusse schieben sich durch den Verkehr und irgendwo klingelt immer ein Handy. Mitten in diesem Trubel taucht plötzlich ein vertrauter Gedanke auf: Hier waren doch Harry, Ron und Hermine unterwegs!
Wer London auf den Spuren von Harry Potter entdecken möchte, findet rund um Piccadilly Circus tatsächlich einige magische Berührungspunkte. Allerdings wartet dort kein offizieller Harry-Potter-Park mit Zauberstab am Eingang. Die Magie liegt vielmehr in den Filmkulissen, den Theatern, den Buchläden und den kleinen Details, die sich über das Zentrum der Stadt verteilen.
Für mich ist genau das der Reiz: Man folgt keiner streng vorgegebenen Route, sondern spaziert durch London, entdeckt bekannte Filmszenen wieder und lässt sich zwischendurch von einem Café, einem schönen Gebäude oder einem kuriosen Souvenirladen ablenken. Und seien wir ehrlich: In London ist die Gefahr, falsch abzubiegen, ohnehin Teil des Abenteuers.
Piccadilly Circus und Harry Potter: Was verbindet diesen Ort?
Die bekannteste Harry-Potter-Szene rund um Piccadilly Circus stammt aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1. Harry, Ron und Hermine fliehen aus dem Fuchsbau, nachdem die Hochzeit von Bill und Fleur angegriffen wurde. Sie landen mitten im Londoner West End und versuchen, den Todessern zu entkommen.
In der Szene ist Piccadilly Circus deutlich zu erkennen: die leuchtenden Werbetafeln, der Verkehr und die dicht gedrängten Menschenmengen bilden eine beeindruckende Kulisse. Harry, Ron und Hermine rennen über die Straße und entkommen nur knapp einem Doppeldeckerbus. Für einen kurzen Moment steht die Zauberwelt mitten im modernen London – zwischen Reklametafeln, Taxis und eiligen Passanten.
Natürlich wurde die Szene für den Film inszeniert und teilweise technisch bearbeitet. Trotzdem wirkt es spannend, an genau diesem Ort zu stehen. Besonders am Abend, wenn die Reklametafeln leuchten und der Verkehr nicht zur Ruhe kommt, kann man sich die hektische Flucht erstaunlich gut vorstellen. Nur das eigene Rennen sollte man sich sparen. Der Londoner Verkehr ist auch ohne Todesser ziemlich überzeugend.
Der beste Zeitpunkt für den Besuch
Piccadilly Circus ist fast zu jeder Tageszeit belebt. Wer in Ruhe Fotos machen und die Umgebung bewundern möchte, kommt am besten früh am Morgen. Dann sind die Straßen noch etwas leerer, und man kann die Architektur rund um den Platz besser wahrnehmen.
Am Abend entfaltet Piccadilly Circus seine besondere Wirkung. Die großen Bildschirme tauchen den Platz in wechselnde Farben, während die Lichter von Regent Street und Shaftesbury Avenue um die Wette funkeln. Für Fans der Filme ist das wahrscheinlich der passendste Zeitpunkt – schließlich sieht die Flucht der drei Freunde in der nächtlichen Stadt besonders eindrucksvoll aus.
- Früher Morgen: weniger Menschen und gute Bedingungen für Fotos.
- Später Nachmittag: ideal, um Piccadilly Circus mit Soho und Covent Garden zu verbinden.
- Abend: die beste Atmosphäre für leuchtende Bilder und echtes West-End-Gefühl.
- Regentage: kein Grund zur Sorge – nasse Straßen spiegeln die Lichter besonders schön.
Die U-Bahn-Station Piccadilly Circus liegt direkt am Platz und wird von der Piccadilly Line sowie der Bakerloo Line bedient. Wer bereits im Zentrum unterwegs ist, erreicht den Ort aber oft genauso schnell zu Fuß. Von Leicester Square sind es nur wenige Minuten, von Trafalgar Square etwa zehn Minuten und von Covent Garden ungefähr fünfzehn Minuten.
Palace Theatre: Harry Potter und das verwunschene Kind
Nur wenige Gehminuten von Piccadilly Circus entfernt befindet sich das Palace Theatre an der Shaftesbury Avenue. Hier wird seit Jahren das Theaterstück Harry Potter and the Cursed Child aufgeführt, auf Deutsch meist als Harry Potter und das verwunschene Kind bezeichnet.
Die Geschichte spielt viele Jahre nach den Ereignissen der sieben Bücher. Harry ist inzwischen erwachsen, arbeitet im Zaubereiministerium und hat selbst Kinder. Im Mittelpunkt steht sein Sohn Albus, der mit dem berühmten Namen seines Vaters zu kämpfen hat. Gemeinsam mit Scorpius Malfoy erlebt er ein Abenteuer, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.
Das Palace Theatre ist schon von außen ein Erlebnis. Die rote Backsteinfassade, die Türmchen und die ornamentalen Details passen wunderbar zu einer Geschichte über Zauberei. Vor dem Eingang trifft man häufig auf Besucher mit Zauberstäben, Hogwarts-Schals oder selbst gestalteten Umhängen. Das ist ein guter Moment, um sich nicht mehr ganz erwachsen zu benehmen. In London fällt das ohnehin weniger auf, als man denkt.
Wer die Vorstellung besuchen möchte, sollte die Tickets möglichst früh reservieren. Die Nachfrage ist weiterhin groß, besonders an Wochenenden, in den Schulferien und rund um Feiertage. Je nach Spielplan wird das Stück als zweiteilige Aufführung an einem Tag oder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen angeboten. Es gibt außerdem manchmal Sonderangebote oder kurzfristig verfügbare Tickets.
- Tickets ausschließlich über offizielle Verkaufsstellen oder die Theaterkasse buchen.
- Vor dem Kauf prüfen, ob eine einteilige oder zweiteilige Aufführung angeboten wird.
- Rechtzeitig am Theater eintreffen, da Sicherheitskontrollen stattfinden können.
- Auf die Altersfreigabe und die Hinweise zur Dauer der Vorstellung achten.
- Während der Aufführung sind Fotos und Videoaufnahmen nicht erlaubt.
Die Bühnentechnik ist beeindruckend, aber ich möchte nichts vorwegnehmen. Es gibt Momente, in denen man sich unwillkürlich fragt, ob im Theater wirklich ein Zauberstab im Spiel ist. Und dann gibt es Momente, in denen man einfach nur staunt, wie geschickt Licht, Musik und Illusionen miteinander verbunden werden.
House of MinaLima: ein farbenfroher Abstecher nach Soho
Von Piccadilly Circus aus ist es nicht weit bis Soho. Dort liegt das House of MinaLima, eine kleine, außergewöhnliche Galerie und Design-Boutique, die für Harry-Potter-Fans besonders interessant ist. Das Künstlerduo Miraphora Mina und Eduardo Lima war für die grafische Gestaltung der Harry-Potter-Filme verantwortlich.
Viele Gegenstände, die in den Filmen scheinbar nebenbei auftauchen, stammen aus ihrer kreativen Werkstatt: Zeitungen, Fahrkarten, Schulformulare, Plakate, Bücher und magische Verpackungen. Im House of MinaLima kann man diese fantasievollen Designs aus nächster Nähe betrachten.
Die Räume sind meist bunt, verspielt und bis ins kleinste Detail dekoriert. Selbst Besucher, die keine eingefleischten Potter-Fans sind, entdecken hier interessante Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen. Besonders schön ist, dass die Ausstellung nicht nur aus Filmplakaten besteht. Sie zeigt, wie wichtig Grafikdesign für die Atmosphäre einer Filmwelt ist.
Der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch Soho verbinden. In den Seitenstraßen findet man kleine Cafés, internationale Restaurants, Plattenläden und unabhängige Geschäfte. Nach einem Rundgang durch die Ausstellung bietet sich eine Pause mit Kaffee und etwas Süßem an. Ein Butterbier gibt es dort zwar nicht an jeder Ecke, aber London hat zum Glück genügend Alternativen.
Eine Harry-Potter-Route durch das Londoner Zentrum
Wer mehr als nur Piccadilly Circus sehen möchte, kann den Besuch zu einer kleinen Stadtwanderung erweitern. Die Route ist nicht besonders lang, führt aber durch einige der spannendsten Viertel Londons.
- Piccadilly Circus: Filmkulisse aus Die Heiligtümer des Todes und lebendiger Ausgangspunkt.
- Palace Theatre: Aufführungsort von Harry Potter and the Cursed Child.
- House of MinaLima: Grafikdesign und Filmrequisiten in Soho.
- Leicester Square: beliebter Treffpunkt mit Kinos und zahlreichen Premieren.
- Charing Cross Road: eine Straße voller Buchhandlungen und literarischer Atmosphäre.
- Embankment und Millennium Bridge: interessante Orte für weitere London-Filmbezüge.
Von Piccadilly Circus nach Leicester Square sind es nur wenige Gehminuten. Anschließend kann man durch Soho in Richtung Charing Cross Road laufen. Wer Lust auf eine längere Strecke hat, geht weiter zur Themse. Die Millennium Bridge ist aus Harry Potter und der Halbblutprinz bekannt, wo sie in einer dramatischen Szene eine wichtige Rolle spielt.
Auch der Bahnhof King’s Cross gehört natürlich auf die Liste. Dort befindet sich die berühmte Installation „Platform 9¾“ mit Gepäckwagen, Schal und Fotomöglichkeit. Sie liegt allerdings nicht zwischen den realen Gleisen 9 und 10, sondern in der Bahnhofshalle. Der Andrang kann groß sein, besonders am Wochenende. Wer ein Foto möchte, sollte Zeit und ein wenig Geduld mitbringen.
Warner Bros. Studio Tour: die große magische Erfahrung
Für die vollständigste Harry-Potter-Erfahrung in London führt kein Weg an der Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter vorbei. Sie befindet sich in Leavesden, außerhalb des Stadtzentrums, und ist nicht mit der U-Bahn-Station Piccadilly Circus verbunden.
In den Studios werden originale Kulissen, Kostüme, Requisiten und Spezialeffekte aus den Filmen gezeigt. Besucher können unter anderem durch die Große Halle gehen, den Hogwarts-Express sehen, die Winkelgasse erkunden und viele Details aus der Produktion entdecken. Auch der verbotene Wald und verschiedene Arbeitsräume gehören je nach Ausstellung zum Rundgang.
Für die Anreise sollte man mehrere Stunden einplanen. Von London aus geht es meist mit dem Zug nach Watford Junction, anschließend fährt ein Shuttlebus zu den Studios. Die Eintrittskarten müssen vorab für ein bestimmtes Zeitfenster reserviert werden. Einfach spontan vorbeizuschauen, funktioniert in der Regel nicht.
Die Studio Tour ist besonders für Familien ein Höhepunkt, kann aber auch Erwachsene begeistern. Selbst wer die Bücher vor vielen Jahren gelesen hat, bleibt irgendwann vor einem Zauberstab, einem handgeschriebenen Brief oder einem vertrauten Kostüm stehen. Die Filme wirken plötzlich weniger wie eine ferne Fantasiewelt und mehr wie ein riesiges, liebevoll gebautes Handwerk.
Praktische Tipps für Harry-Potter-Fans in London
London ist hervorragend zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Für eine Harry-Potter-Route im Zentrum braucht man normalerweise kein Taxi. Die wichtigsten Orte liegen relativ nah beieinander, und unterwegs gibt es ständig etwas zu sehen.
- Eine kontaktlose Bankkarte oder eine Oyster Card erleichtert die Nutzung von U-Bahn und Bus.
- Bequeme Schuhe sind wichtiger als ein besonders beeindruckender Umhang.
- Für Theater und Studio Tour die Tickets vorab online kaufen.
- Bei Fotospots mit Wartezeiten rechnen, vor allem an King’s Cross.
- In den beliebten Innenstadtbereichen auf Taschen und Wertsachen achten.
- Bei Regen einen kleinen Schirm oder eine wasserdichte Jacke einpacken.
- Für Theaterbesuche die genauen Einlasszeiten und Sicherheitsbestimmungen prüfen.
Ein weiterer Tipp: Nicht jede Sehenswürdigkeit muss zwingend mit einem Harry-Potter-Schild versehen sein, um magisch zu wirken. Die alten Fassaden, schmalen Gassen und dunklen Innenhöfe Londons bieten überall eine passende Kulisse. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet schnell eigene Lieblingsorte.
Wenn die Magie eine kleine Pause braucht
Nach mehreren Stunden zwischen Theater, Bahnhof, Souvenirläden und leuchtenden Reklametafeln meldet sich irgendwann der Magen. Rund um Piccadilly Circus gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés, von schneller Küche bis zu eleganten Lokalen. In Soho ist die Auswahl besonders groß: asiatische Küche, italienische Restaurants, kleine Bäckereien und klassische Pubs liegen oft nur wenige Schritte voneinander entfernt.
Für eine ruhige Pause eignen sich die Grünanlagen in der Umgebung, zum Beispiel Green Park, der von Piccadilly aus gut erreichbar ist. Dort kann man sich auf eine Bank setzen, die Füße ausruhen und die bisherigen Eindrücke sortieren. Vielleicht entdeckt man dabei sogar, dass die eigene Reisegruppe inzwischen aussieht wie eine kleine, erschöpfte Expedition nach Hogwarts.
Piccadilly Circus ist kein abgeschlossener Harry-Potter-Park, sondern ein echter Londoner Ort mit echtem Verkehr, echten Passanten und manchmal erstaunlich echten Regenschauern. Gerade deshalb lohnt sich der Besuch. Die Filmszene wird lebendig, aber gleichzeitig erlebt man die Stadt so, wie sie wirklich ist: laut, vielseitig, ein wenig chaotisch und voller unerwarteter Geschichten.
Wer also in London auf den Spuren von Harry Potter unterwegs ist, sollte Piccadilly Circus nicht einfach nur als Fotostopp betrachten. Der Platz ist der perfekte Anfang für eine magische Entdeckungstour durch das West End – mit Theaterzauber, kreativen Filmwelten, historischen Straßen und genügend Gelegenheiten, zwischendurch ganz muggelhaft einen Kaffee zu trinken.