Jahresrückblick 2011 für Thailand

Das vergangene Jahr 2011 war für Thailand wieder einmal in Sachen Politik und Naturkatastrophen sehr ereignisreich.

Im Februar eskalierte der Grenzstreit mit Kambodscha um die hinduistische Tempelanlage Preah Vihear erneut. Es kam auf beiden Seiten zu Artillerie Gefechten und Schießereien. Bis zum April kamen 15 Soldaten und Zivilisten ums Leben über 50 Personen wurden verwundet. 30.000 Einwohner im Grenzgebiet wurden evakuiert,oder waren auf der Flucht, die Auseinandersetzungen waren die heftigsten seit zwei Jahren.

Der Grenzverlauf von Preah Vihear das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört ist schon seit den 1950er-Jahren zwischen Thailand und Kambodscha umstrittenen, es kam deshalb schon öfters auch zu militärischen Auseinandersetzungen.

Weitere Infos zu Preah Vihear gibt es hier https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzkonflikt_zwischen_Kambodscha_und_Thailand

Es gab aber auch positives im Februar zu berichten. So gastierte die deutsche Rockband Scorpions aus Hannover im Rahmen ihrer Abschieds Welttournee zu einem Konzert am 10 Februar in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

Nach ihrem umjubelten Konzert in der ausverkauften Impact Arena von Bangkok vor über 10 000 begeisterten Fans, traf sich die Band mit dem damaligen Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva. Die Band-Mitglieder mit Klaus Meine an der Spitze überreichten Abhisit als Erinnerung eine elektrische Flying-V-Gitarre. (Weil ja zur gleichen Zeit der Grenzkonflikt mit Kambodscha tobte bekommt das Zitat von Udo Lindenberg „Gitarren statt Knarren“ einen neuen ganz neuen Sinn)

im Anschluss machte Band noch einen kurzen Urlaub auf der Insel Koh Samui. Dort gab Sänger Klaus Maine und Manager Peter Ahmendt Samui Web TVein Interview.

Im Februar war das Wetter auf Samui und im Süden von Thailand noch in Ordnung, dass sollte sich aber Ende März auf dramatische Weise ändern. Bei für die Jahreszeit ungewöhnlich schweren Unwettern mit tagelangen heftigen Regenfällen und Überschwemmungen kamen 60 Menschen ums Leben. Auf Koh Samui sind viele Touristen gestrandet und saßen fest weil der Flughafen wegen Stromausfall und Überschwemmungen geschlossen werden musste. Auch die Fähren konnten nicht auslaufen. Gestrandete Touristen auf den Nachbarinseln wie Koh Tao mussten von der Marine den Hubschrauberträger Chakri evakuiert werden.

Im April gedachte bei einer Großdemonstration die UDD an die tödlichen Auseinandersetzungen am 10. April 2010 auf der Bangkoker Kreuzung Khok Wua zwischen Sicherheitskräften und den Rothemden bei der 26 Menschen starben . Die Demonstrationen der Rothemden wurden am 19. Mai 2010 von der Armee gewaltsam beendet. Landesweit hatte es 92 Tote gegeben.

Am 3. Juli kam es zu den von der Opposition schon lange geforderten Neuwahlen. Bei den Parlamentswahlen kam es zu einem überwältigen Sieg der Oppositionspartei Pheu Thai mit der bis knapp sechs Wochen vor den Wahlen relativ unbekannten Yingluck Shinawatra als Spitzenkandidatin. Die Pheu Thai erreichte mit 265 von 500 Sitzen die absolute Mehrheit. Dennoch wurde aus mehreren Parteien eine Koalition geschmiedet, und am 5. August wird Yingluck Shinawatra vom Parlament zur ersten Ministerpräsidentin eines asiatischen Landes gewählt. Die bisher regierende Demokratische Partei von Abhisit Vejjajiva, die vor allem vom Militär und der Oberschicht getragen wird erreicht nur enttäuschende 159 Sitze im thailändischen Parlament.

Die Pheu Thai gewann vor allem im Norden und Nordosten von Thailand mit ihren populistischen Versprechen wie Erhöhung des Mindestlohns und bessere Bildung für die ärmere Landbevölkerung, viele hofften dass die wirtschaftlich erfolgreiche aber politisch unerfahrene Geschäftsfrau Yingluck Shinawatra das politisch stark zerrissene Land versöhnen kann, was allerdings ziemlich fraglich ist da ihr Bruder der vom Militär 2006 gestürzte frühere Ministerpräsident Thaksin Shinawatra der eigentliche Grund für die politischen Spaltung ist.

Kritiker sagen Yingluck will nur ihren Bruder so schnell wie möglich nach Thailand zurückholen, was sich aber das Militär und die Organisation der Gelbhemden (PAD) nicht gefallen lassen werden.

Es gab mittlerweile schon heftig Theater als Gerüchte auftauchten Thaksin der noch eine zweijährige Gefängnisstrafe zu verbüßen vom König an seinem Geburtstag begnadigt werden soll, was aber schnell wieder von der Regierung dementiert wurde.

Anfang Dezember sorgte auch der von der früheren Demokratische Regierung eingezogenen Reisepass des ehemaligen Ministerpräsidenten für Wirbel. Außenminister Surapong Tovichakchaikul kündigte am 2. Dezember in aller Öffentlichkeit an Thaksin einen neuen Pass auszustellen zu wollen, dabei wurde im schon am 26 Oktober ein neuer Reisepass in seinem Exil in Dubai überreicht. Thaksin besitzt auch neben der Thailändischen die Staatsbürgerschaft von Montenegro an, um weiterhin reisen zu können.

Im Juli sorgte auch eins gepfändetes Flugzeug für viel diplomatischem Wirbel zwischen Thailand und Deutschland, der damalige Außenminister Kasit Piromya reiste deshalb extra nach Berlin. Das Flugzeug von Thailands Kronprinz Maha Vajiralongkorn der sich öfters in München auffällt wurde vom Insolvenzverwalter der Walter Bau AG gepfändet.

Bei dem Streit ging es um 30 Millionen Euro die der Thailändische Staat der inzwischen Insolvent gegangenen Firma Walter Bau schuldete. Die Baufirma war in den achtziger Jahren am Bau einer Gebührenpflichtigen Straße in Bangkok beteiligt, das Projekt war allerdings kommerziell nicht erfolgreich, und die Regierung hielt sich nicht an die Abmachungen.

Deshalb wurde am 12. Juli die Boeing des thailändischen Kronprinzen am Münchner Flughafen beschlagnahmt. Der 58-jährige einzige Sohn des Thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej wollte seine Pilotenausbildung auf dem 16-Jahre alten Flugzeug vertiefen.

Die thailändische Regierung wollte die geschuldeten 30 Millionen nicht bezahlen, und beharrte auf dem Standpunkt dass die Maschine dem Prinzen persönlich gehöre und deshalb nicht in den Streit zwischen dem Staat und Walter Bau hineingezogen werden könne.
Anfang August soll die thailändische Regierung eine Leistung erbracht haben, aufgrund derer die gepfändete Boeing 737 des Kronprinzen freigeben werden konnte.

Am 3. August ging dieser Blog nach einer relativ spontanen Idee Ende Juli Online, mittlerweile hat es der Blog ist auch schon auf 127 Artikel gebracht.

Im August nahm auch eine der größten Naturkatastrophen in Thailand mit dem Tropen Sturm Nock-Ten seinen Anfang.
Der Sturm bringt im Norden und Nordosten von Thailand anhaltende und schwere Regenfälle und stürmische Winde.
Überschwemmungen, Erdrutsche und die ersten Todesopfer sind nur der Anfang der in den kommenden Monaten folgenden Hochwasserkatastrophe.

Immer wieder kommt es zu Meldungen von Überschwemmungen so zum Beispiel traf es am 11. September Pattaya und am 28-29 September Chiang Mai im Norden.

Anfang Oktober war dann die Kacke so richtig am Dampfen. Nach schweren Regenfällen war die Tempelanlage von Ayutthaya die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört überflutet, auch der Rest der Stadt stand unter Wasser sowie viele Industrieanlagen wie zum Beispiel von Honda. Aufgrund der Flut in Thailand kam es wegen überfluteten Fabriken zu Einbrüchen bei der Herstellung von Computer Festplatten was deutliche bei Preissteigerungen zur Folge hat und auch noch 2012 haben wird. Der volkswirtschaftliche Schaden der Hochwasserkatastrophe ist enorm, auch im Tourismus gab es Einbrüche von bis zu 40 % zu verzeichnen.

Regierung und Stadtverwaltung von Bangkok lassen nördlich der Stadt Schutzwände und Sandbarrieren errichten und Wassermassen umleiten. Bangkok und seine historischen Stätten sollen von der Flut verschont bleiben. Es kommt dabei immer wieder zu Kritik wegen des Krisen Managements der Regierung, oft gibt es widersprüchliche Angaben seitens der Regierung und der Stadtverwaltung.

Im November sind nun auch noch die Vororte und der alte Inlandsflughafen von Don Muang überflutet.

Der Gouverneur von Bangkok ordnet fast täglich die Evakuierung von Einwohnern in den betroffenen Bezirken an. Der Zorn der Anwohner in den Außenbezirken wächst täglich sie fordern die Öffnung der Dämme, damit in ihrem Stadtteil das Wasser abfließen kann. In mehreren Vierteln greifen die Bürger zur Selbsthilfe und reißen die Barrieren ein.

So nun sind wir am Ende des kleinen Jahresrückblick 2011 für Thailand, ich hoffe das Land bleibt 2012 von Naturkatastrophen verschont und das politisch endlich Ruhe eingekehrt.

All meinen Lesern wünsche ich ein erfolgreiches Jahr 2012 mögen alle eure Wünsche und Vorsätze in Erfüllung gehen

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