Die Langhalsfrauen von Thailand

Die Langhalsfrauen von Thailand gehören zur Volksgruppe der Karen Padaung, einer Untergruppe der Karen, und kommen ursprünglich aus Burma (dem heutigen Myanmar).

In den 80er Jahren sind die Padaung vor Verfolgung durch die Militärdiktatur in Burma nach Thailand geflüchtet. Heute lebt die Gruppe unter anderem in den Regionen Bann Thaton und Mae Hong Son im Norden von Thailand und ist vor allem für den ungewöhnlichen Halsschmuck der Frauen bekannt. Die Tradition der Gruppe sieht vor, dass Frauen sich Kupferspiralen um den Hals legen lassen, die diesen länger und damit die Frau traditionell schöner erscheinen lassen.

Der Rang einer Frau ist gemäβ dieses Brauchs an der Höhe ihrer Halsspirale ersichtlich und mit zunehmender Höhe steigen die Heiratschancen eines Mädchens. Die Bezeichnung „Langhalsfrauen von Thailand“ wurde von auβen geprägt und wird innerhalb der Gruppe nicht besonders geschätzt.


In der Regel bekommen Mädchen die erste Spirale im Alter von etwa 5 oder 6 Jahren angelegt. Der genaue Tag des ersten Rituals wird durch den Schamanen nach Befragung des Orakels festgelegt. Ist der Tag bestimmt, legen ältere Frauen dem Mädchen die erste Kupferspirale an, indem sie das Metall um den Hals biegen.

Auch von den Handgelenken zu den Ellbogen und von den Knöcheln zu den Knien werden die Spiralen angebracht. Alle paar Jahre, je nachdem wie schnell die Mädchen wachsen, werden die Halsringe durch eine neue, gröβere Spirale ersetzt. Die gröβte und schwerste Spirale liegt auf der Schulter und wird mit etwa 15 Jahren angelegt Sie verdeckt den unteren Rand der Halsspirale.

Zusammen können die Spiralen eine Höhe von etwas 30 Zentimetern annehmen. Das Metall wird mit aller Sorgfältigkeit gepflegt um den Glanz zu erhalten.
Das Tragen der Halsspirale kann gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen, auch wenn eine Verringerung der Lebenserwartung und ein erhöhtes Krankheitsrisiko nicht bestätigt werden können.

Am Hals kann es zu Quetschungen und anderen Verletzungen kommen. Die Ringe können bis zu 10 Kilogramm wiegen und tägliche Arbeiten wie Wasserholen oder Säh- und Erntetätigkeiten deutlich erschweren. Die Halsmuskeln bilden sich zurück und der Hals selbst kann schwer sauber gehalten werden.

Die Behauptung, dass das Abnehmen der Spirale zum Genickbruch führt, ist allerdings nicht richtig. Entgegen allgemeiner Ansicht verlängern die Spiralen auch nicht den Hals, sondern drücken die Schulter hinunter, verformen das Schlüsselbein und lassen damit den Hals länger erscheinen. Auch wenn sich die Halsmuskeln nach Abnahme der Spirale wieder aufbauen lassen, kann die Verformung des Skeletts an Schultern und oberem Rücken nicht rückgängig gemacht werden.

Vermehrte Einflüsse von auβen und der Einfluss von christlichen Missionaren während des 20. Jahrhunderts führten dazu, dass weniger Frauen die Tradition pflegten, viele die Ringe ablegten und Mädchen nicht wie gewohnt am Ritual des Ringanlegens teilnahmen.

In moderner Zeit allerdings haben sich die Langhalsfrauen von Thailand zu einer Touristenattraktion entwickelt und viele Frauen haben die Tradition wieder aufgenommen, um sich bescheidene Einkünfte aus Eintrittsforderungen und Souvenirverkauf in von Touristen sehr beliebten sogenannten Schaudörfern zu sichern.

Kritische Stimmen bezeichnen die „Attraktion Langhalsfrauen Thailand“ mittlerweile als Menschenzoo und rufen zum Boykott der Schaudörfer auf. Die Vereinten Nationen haben sich der Kritik angeschlossen und beanstanden, dass die thailändischen Behörden trotz ausdrücklicher Anweisung zur Umsiedlung der Padaung die Gruppe davon abhalten, das Land zu verlassen. Es wird vermutet, dass die Padaung Frauen am Verlassen gehindert werden, um weiterhin Touristen in die Region zu locken. Diese Vermutung beruht auf der Tatsache, dass Tausende anderer Flüchtlinge in der Zwischenzeit aus Thailand in Drittländer ausgereist sind.

Viele Frauen selbst lehnen sich dagegen auf, keine Ausreisemöglichkeiten zu haben und sogar die Schaudörfer nicht verlassen zu dürfen, um Touristen keinen Kontakt auβerhalb der eintrittspflichtigen Dörfer zu ermöglichen.

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Foto by Thomas Schoch

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